Die Kinzig-Murg-Rinne

Die Kinzig- Murg-Rinne ist ein eingetiefter Bereich, der am  Westrand von Schwarzwald und  Kraichgau von  Süden weiter nach Norden verläuft.
Diese  Eintiefung
wurde von einem  Wasserlauf durchströmt, der als Vorfluter für die von Osten kommenden  Nebenflüsse und Bäche diente. Die
Randsenke war als eine  Art alter  Flusslauf schon früher bekannt. Bereits Tulla bezeichnete diesen  Wasserlauf als
Ostrhein und nahm an, dass
er erst bei Mainz wieder in den Hauptrhein floss.


Talbildungen des Kinzig-Murgflusses im Bereich von Karlsruhe

Thürach bezeichnet in dieser  Skizze  vom Anfang des 20. Jhts den "Fluss" als "Kinzig-Murgfluss". Dieser Fluss soll die  Flussläufe aus
dem  Nordschwarzwald 
in der „Kinzig-Murg-Rinne“ gesammelt und dann in der Nähe von Hockenheim in den Rhein geleitet haben. Im
Bereich von Karlsruhe teilte sich der Strom in mehrere Wasserläufe mit dazwischen liegenden Kiesinseln auf.

Quelle: Karte von Thürach (1912) aus: Hartleb, Ludäscher, Mitlöhner: Der Wirtschaftsraum Karlsruhe, Ausschnitt, verändert

Fezer bezeichnet 1974 das randliche  Flusssystem als Randfluss und betrachtet diesen  Wasserlauf als ein durchgehendes Gewässer
von der Dreisam weiter an Heidelberg vorbei bis in die  Gegend von Darmstadt
und erwähnt spätere Durchbrüche des Randflusses (bei
Hochwasser) direkt in den Rhein, so auch bei der Alb im Raum Karlsruhe
.

 
Beschreibung der Kinzig-Murg-Rinne bei Karlsruhe 1928

Ob, wann oder wie lange die Randsenke von einem durchgängigen Wasserlauf (Kinzig-Murg-Strom) durchflossen wurde, war immer wieder
Gegenstand kontroverser Diskussionen.
Ziemlich sicher ist es aber, dass nach der Würmeiszeit ein durchgehender Fluss vorhanden war, der
jedoch bereits im  Spätglazial durch starke
Sedimentation der  Nebenflüsse und  Durchbrüche zum  Rhein verlandete, wie Torfablagerungen
 belegen.
 
Auch der Begriff Kinzig-Murg-Rinne wird nicht mehr allgemein akzeptiert, denn die Annahme, dass die Flüsse Kinzig und Murg - wie der Name
sagt - an ihrer Entstehung beteiligt wären, lässt sich nicht belegen. So findet man z. B. zwischen Karlsruhe und Heidelberg keine Schwarzwald-sedimente/-gerölle im Bereich der Senke.
Deshalb verwendet man heute auch teilweise andere Namen wie Östliche Randsenke, Randrinne oder
 Randniederung - aber der Begriff „Kinzig-Murg-Rinne“ ist weiterhin üblich.
 
Die Frage nach der Entstehung der Randsenke ist nicht endgültig geklärt. Eine Möglichkeit wäre ein tektonische Ursache: die Randschollen wären
etwas tiefer abgesunken.
Eine andere Erklärung zieht den Gefällsunterschied im Bereich der Niederterrasse heran: Dieser wäre in S-N Richtung
größer als in W-O Richtung und deshalb würde wie bei einem Schwemmkegel die geringste Sedimentation an den Außenrändern stattfinden, dort
wäre es also tiefer = Randsenke.


Auch heute noch kommt es bei Hochwasser gelegentlich zu Überschwemmungen im Bereich der Randsenke.


Überflutete Autobahn - Blick von der Autobahnbrücke zwischen Rüppurr und Ettlingen nach Norden
Im Mai 1970 war die A 5 wegen   Überflutung zwei Tage unpassierbar. Das Bild zeigt, wie die Feuerwehr das
Wasser aus dem tiefliegenden Teil der Autobahn im Bereich der östlichen Randsenke/Kinzig-Murg-Rinne ab-
pumpt.

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