Grötzingen


Die Siedlung hieß ehemals Grezzingen. Der  Name stammt wohl von einem früheren Sippenführer.


Grötzingen vom Durlacher Turmberg aus - Blick nach NNO
Das Foto zeigt im Mittelgrund  den Ort am Ausgang des von Osten (rechts) kommenden Pfinztals. Der Stadtteil hat sich heute bis in den  Oberrhein-
graben ausgedehnt, die urbanen Hochhäuser links stehen an der westlichen Peripherie des Orts und verdeutlichen den Wandel vom Bauerndorf zum
 städtischen Wohnvorort. Der Anstieg im Osten (rechts) ist die östliche Flanke des Oberrheingrabens.

Durch die Lage an der  Einmündung des  Pfinztals in den Oberrheingraben, hat Grötzingen eine besonders verkehrsgünstige Lage. Deshalb gibt es hier
 eine lange Siedlungskontinuität; von der Latènezeit über die
Römer bis hin zu den Merowingern hat man Siedlungspuren gefunden. Die Endung "-ingen"
weist auf einen  Ort des  Altsiedellands hin. Das  Dorf ist bereits 991 als  Besitz des  Klosters Weißenburg in einer Urkunde erwähnt. Nach wechselnden
 Herrschaftsverhältnissen kam  Grötzingen im 13. Jh. zu  Baden. Das  Bauerndorf konnte bis zum  Ende des 16. Jhs seinen  Wohlstand mehren, litt dann
aber unter den Kriegen des 17. Jhs.

   
Grötzingen: Kartenvergleich 1914 und 2018
Die Karte von 1914 zeigt, dass die in das Pfinztal hinein ziehenden Verkehrslinien schon damals den Ort in einen nördlichen und einen südlichen
 Bereich trennten. Die Signaturen für Rebflächen (z. B. am Südhang des Rothbergs) zeigen die frühere Ausdehnung des Weinbaus und sind so ein
Zeugnis für die einstige landwirschaftliche  Prägung des  Orts. Ein  Steinbruch (=> Steinbr) im  Südosten der  Karte weist noch auf die Bedeutung
 des Pfinzsandsteins als Baumaterial für das Dorf und die Stadt Karlsruhe hin. Die eingezeichneten Fabriken sind erste Anzeichen für den Wandel
der Wirtschaftsstruktur von Grötzingen.
Mit der  Industrialisierung und dem  Bau der  Eisenbahnlinie durch  Grötzingen (1859 Grötzinger  Bahnhof)
änderte sich  allmählich die  Struktur des  Orts: Vollerwerbsbetriebe  wurden zu  Nebenerwerbsbetrieben, aus  Kleinbauern  wurden  Arbeiter, aus
dem   Bauerndorf wurde auch hier eine wachsende Arbeiterwohngemeinde und die Eingemeindung 1974 machte Grötzingen schließlich zu einem
Stadtteil und Wohnvorort von Karlsruhe.
2018 reicht die geschlossene Bebauung im Westen und Nordwesten bis zur B 3 westlich des Orts. Der Südfuß von Knittelberg und Rothberg ist
bis in den Bereich der ehemaligen  Fabriken bebaut und auch südlich der B 10 sind nun weite  Bereiche  Wohngebiet. Insgesamt zeigt sich auch
hier ein deutlicher Landschaftswandel und Landschaftsverbrauch
(Quellen: oben Topographische Karte  1 : 25 000 des Großherzoglich Topographischen Bureaus von 1914, zusammengefügte Ausschnitte Blatt Karlsruhe, Blatt Weingarten
unten  OpenTopoMap (CC-BY-SA) jeweils Ausschnitte, verändert.
Zum besseren Vergleich ist die Lage von 
Schloss Augustenburg jeweils mit einem roten Punkt markiert.


Copyright P. H.                                                                                                                               Weitere Informationen über Grötzingen